Fachtag: „Demenz - was dann?
Perspektiven in der Versorgungsstruktur für Demenzerkrankte“


Die Lebenserwartung steigt, damit steigt zwangsläufig die Zahl der Menschen mit Demenz. Deutschlandweit sind derzeit etwa 1,4 Millionen Menschen betroffen. Saarlandweit sprechen wir von 25.000 Betroffenen. Eine eigenständige Lebensführung ist in vielen Fällen nicht mehr möglich. Bis zum Jahr 2050 werden drei Millionen Demenzerkrankte in Deutschland prognostiziert, sofern kein Durchbruch in der Forschung zur Therapie gelingt.
Vor diesem Hintergrund organisiert die LAGS im Rahmen der Veranstaltungsreihe „gesund und aktiv älter werden" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) am 25. Juni 2013 in den Räumen der Volkshochschule am Saarbrücker Schloss die zweite Regionalkonferenz. Die diesjährige Tagung konzentriert sich auf Perspektiven in der Versorgungsstruktur für Menschen mit Demenz.
„Viele Betroffene werden von Angehörigen, Nachbarn und Bekannten oft aufopferungsvoll zu Hause gepflegt, gefördert und begleitet. Die Situation in der häuslichen Betreuung ist jedoch schwierig. Unser gemeinsames Ziel muss es sein, diese Versorgungsstrukturen im Saarland für demenzkranke Menschen zu optimieren und Angehörigen viele Möglichkeiten der Unterstützung aufzuzeigen“, so Andreas Storm, Minister für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie.
Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) erläutert:„ Demenz ist eine der großen Herausforderungen der Gegenwart. Wir müssen dafür sorgen, die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Demenz und somit auch die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig, die Familien, die eine aufopferungsvolle Betreuungsarbeit leisten, zu entlasten. Hierbei
sind kommunale Strukturen und Netzwerke von großer Bedeutung.“
Der LAGS ist es gemeinsam mit der Landesfachstelle Demenz, dem Demenzverein Saarlouis und der Gesundheitsregion Saar gelungen, namhafte Referenten aus dem Bundesgebiet für diese Veranstaltung zu gewinnen. So referiert z.B. Prof. Dr. Elmar Gräßel, Leiter Med. Psychologie / Med. Soziologie der Psychiatrischen und Psychotherapeutische Klinik in Erlangen über das Thema „Sekundäre Prävention bei Demenz durch Ressourcen erhaltende Therapie.“
Am Ende des Vormittags werden im Rahmen einer Podiumsdiskussion Expertinnen und Experten ihre Statements zur Versorgung von Dememenzpatienten im Saarland abgeben.
Am Nachmittag werden Beispiele aus der Praxis dargestellt und diskutiert.
Mit dem Fachtag „Demenz, was dann?“ möchte die LandesArbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung Saarland e.V. gemeinsam mit vielen Kooperationspartnern den Saarländerinnen und Saarländern mögliche Versorgungsstrukturen aufzeigen und die Gelegenheit bieten, sich näher über das Thema zu informieren und/oder auszutauschen. Von 9 bis 16.30 Uhr haben medizinisches Fachpersonal, Betroffene, pflegende Angehörige und Interessierte die Möglichkeit, gemeinsam über die Herausforderungen rund um das Thema Demenz zu diskutieren.

 

Impulsreferat: Werner Schreiber – Minister a.D.

 

Ich finde es bemerkenswert, dass es der LandesArbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung Saarland e.V. gelungen ist, zu dem wichtigen Thema Demenz eine Tagung zu organisieren, die von einer großen Anzahl wichtiger Organisationen aus dem Bereich des Sozial- und Gesundheitswesens mit getragen wird.

Die Gesundheitsregion Saar e.V. hat sich vor dem Hintergrund ständig wachsender Probleme bei der Bewältigung des Pflegenotstandes gerne bereit erklärt, diese Veranstaltung zu unterstützen. Seit vielen Jahren ist bekannt, dass der demographische Wandel zum Handeln zwingt. Viele Fragen wurden aufgeworfen, von denen eine ganze Reihe noch nicht beantwortet ist.

Bis zum Jahre 2060 wird die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland von heute 82 Millionen, je nach Definition und Annahmen, auf ca. 67 Millionen zurückgehen. Gleichzeitig wird der Anteil der älteren Menschen an der Gesamtbevölkerung stark ansteigen. Nach einigen Prognosen werden dann 34 % der Bevölkerung älter als 65 Jahre sein. 10 Millionen Hochbetagter, also über 80-Jährige sollen dann in Deutschland leben. 2006 waren es 4 Millionen.

Die seit Jahrzehnten immer bessere medizinische Versorgung lässt das Lebensalter steigen. So beträgt die Lebenserwartung eines neugeborenen Jungen in Deutschland mittlerweile 78 Jahre. Die Lebenserwartung eines neugeborenen Mädchens 83 Jahre. Es liegt auf der Hand, dass im hohen Alter die altersbedingten Probleme zunehmen.

Neben den typischen Alterserkrankungen ist die Pflege eine der großen Herausforderungen. Der Anteil der Pflegebedürftigen beträgt in der Altersgruppe der 75-79-Jährigen 9,9 %, in der Altersgruppe der 80-84-Jährigen 19.9 %, bei den 85-89-Jährigen 38 % und bei den über 90-Jährigen 58 %. Auch diese Zahlen zeigen die Dimension der Herausforderung.

Die 1995 eingeführte Soziale Pflegeversicherung, als fünfte Säule der Sozialversicherung, hat sich grundsätzlich bewährt. Die Finanzierung war umstritten; sie wurde jedoch gegen manche Widerstände durchgesetzt. Ziel war es, das zentrale Lebensrisiko Pflegebedürftigkeit sozialrechtlich abzusichern. Im Fokus stand vor allem auch die Maßgabe, die Abhängigkeit vieler Menschen von Sozialhilfe im Alter zu verringern. Das ist weitgehend gelungen. Die damaligen Lösungen glichen jedoch einer Art Teilkaskoversicherung. Die Pflegeversicherung ist seit ihrer Einführung nicht wesentlich weiterentwickelt worden. So führt beispielsweise die Trennung von Kranken- und Pflegeversicherung dazu, dass zu wenig dafür getan wird, dass der Patient erst gar nicht zu einem Pflegefall wird.

Meine Damen und Herren, das Thema ist vielfältig und komplex und es würde in der Kürze der Zeit zu weit führen, tiefer in die Materie einzusteigen. Die Tagung befasst sich mit dem Teilaspekt der Pflege, mit der Demenz. Deshalb zu diesem Problem einige Anmerkungen:

Nach verschiedenen Prognosen werden 2050 drei Millionen Menschen an einer Demenzerkrankung leiden, sofern kein Durchbruch bei der Therapie gelingt. Heute sind es etwa 1,4 Millionen Menschen, die an Alzheimer oder einer anderen Form der Demenz erkrankt sind. Die Pflegeversicherung hat das Problem der Demenzerkrankung in der Vergangenheit weitgehend ignoriert. Nun erhalten zwar Patienten, die an Demenz leiden, seit Anfang des Jahres erstmals ein Pflegegeld von Euro 120 im Monat. Bisher erhielt diese Patientengruppe - wenn überhaupt – nur Minimalbeträge. Das Problem besteht darin, dass bei der Gebrechlichkeitsprüfung die medizinischen Dienste der Kassen ausschließlich auf körperliche Leiden achten.

Die Bundesregierung hat nun, wie schon angesprochen, eine Sonderregelung für Demenzkranke geschaffen. Das reicht jedoch nicht aus. Ich denke, wir benötigen eine tiefergehende Weiterentwicklung. Es muss darum gehen, Menschen Hilfen anzubieten, damit sie so lange wie möglich selbständig leben können. Es geht also nicht mehr nur darum zu fragen und zu überprüfen, was sie nicht mehr können. Es geht vielmehr darum, den derzeitigen einseitigen Pflegebegriff in Richtung eines umfassenden Pflegebedürftigkeitsbegriffes zu verändern. Das ist die Aufgabe der Politik im Bund und in den Ländern.

Meine Damen und Herren, viele tausend Menschen arbeiten in der Pflege. Entweder pflegen sie ihre Angehörigen oder sie haben den Pflegeberuf als ihre Aufgabe gewählt. Ihnen gebührt Anerkennung, gesellschaftliche Anerkennung, aber auch finanzielle Anerkennung.

Noch einmal mein Dank an die Veranstalter. Sie haben mit dieser fachlich hervorragend besetzten Tagung einen wichtigen Beitrag zum Thema Pflege, insbesondere zum Thema Demenz geleistet.

 

 

 

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