Großer Andrang beim Saarländischen Pflegetag!

 

Etwa 250 Fachleute aus dem Bereich Pflege folgten der Einladung der Gesundheitsregion Saar e.V. und des Saarländischen Pflegerates zum Tag der Pflege. Der Vorsitzende der Gesundheitsregion Saar e.V. Werner Schreiber, ehemaliger Gesundheitsminister des Landes Sachsen-Anhalt, konnte eine Reihe herausragender Fachreferenten, an der Spitze Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, neuernannter Bevollmächtigter für Pflege der Bundesregierung, begrüßen.

In der Eröffnungsrede griff Schreiber das Motto der Veranstaltung „Pflege – Herausforderung für die Gesundheits- und Sozialpolitik in der Bundesregierung“ auf. Laut Schreiber wird im Jahr 2050 jeder Dritte in Deutschland 60 Jahre und älter sein. Die Zahl der 80jährigen wird von heute etwa 3 Millionen auf über 9 Millionen ansteigen. Die Lebenserwartung steige vor dem Hintergrund einer veränderten Umwelt und verbesserten gesundheitlichen Versorgung ständig. Es liegt auf der Hand, so Schreiber, dass vor diesem Hintergrund die Pflegebedürftigkeit sowohl in der Kranken- wie auch in der Altenpflege steige. Wie Schreiber weiter ausführte, fehlen schon bundesweit tausende Pflegekräfte und das obwohl verschiedene Untersuchungen prognostizierten, dass die Zahl der Pflegebedürftigen von heute etwa 2,7 Millionen bis 2031 auf 3,6 Millionen ansteigen wird. Schätzungen von Fachleuten zufolge fehlen bereits 2030 in Deutschland rd. 50.000 Pflegekräfte, im Saarland etwa 5.000.

Staatssekretär Andreas Westerfellhaus, ausgebildeter Intensiv- und Anästesiepfleger, befasste sich mit den Plänen der Bundesregierung zur Anwerbung von Pflegekräften und der Finanzierung der zusätzlichen Stellen. Westerfellhaus wies darauf hin, dass eine Ausweitung der Stellenpläne und deren Finanzierung zwar eine Grundvoraussetzung für die Verbesserung der Situation der Pflege sei, anderseits, so der Staatssekretär wörtlich: „Wir haben enorme Schwierigkeiten, diese Stellen zu besetzen; der Stellenmarkt für Pflegekräfte ist praktisch leergefegt“. Es sei unbestreitbar, so Westerfellhaus, dass der Pflegeberuf attraktiver werden müsse. Verbesserung in der Ausbildung, der Bezahlung und den Arbeitsbedingungen seien unerlässlich. Der Staatssekretär betonte, die Unterstützung der Politik mit der Schaffung der notwendigen Rahmenbedingungen sei ständige Aufgabe, dazu gehöre auch die Berufsautonomie. Der Markt, so sein Credo, reguliere nicht von sich aus das Umfeld der Pflege und kann politische Vorgaben nicht ersetzen.

Im Verlaufe der Tagung wurde von Pflegeexperten eine Reihe von Problemfeldern angesprochen. Dazu gehörten die überbordende Bürokratisierung, die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland sowie die Finanzierung von ambulanter und stationärer Pflege. Für die zahlreich anwesenden Pflegeschüler war die von der Politik auf den Weg gebrachte sogenannte Generalistische Ausbildung (Zusammenführung von Kranken-, Kinderkranken-und Altenpflege im Grundstudium) von besonderer Bedeutung.

Unter Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden der Gesundheitsregion Saar e.V., Axel Mittelbach, befassten sich die Landtagsabgeordneten Hermann Scharf (CDU), Dr. Magnus Jung (SPD), für die Krankenkassen der Vorstand der IKK Südwest Prof. Jörg Loth, mit der Saarländischen Situation. Dabei wurde deutlich, dass in den vergangenen Jahren große Anstrengungen zur Verbesserung der Pflegesituation unternommen wurden. Auch für die Landespolitik wie für die Kranken- und Pflegekassen sei das eine ständige Herausforderung.

Im Rahmen des anschließenden Empfangs anlässlich des 20jährigen Jubiläums des Saarländischen Pflegerates betonte Sozial- und Gesundheitsministerin Monika Bachmann, dass sich auch die Saarländische Landesregierung ihrer Verantwortung bewusst sei. Sie verwies auf zahlreiche Initiativen ihres Hauses und skizzierte die Verbesserungsstrategie der Landesregierung. Die Ministerin gratulierte dem Landespflegerat und betonte die gute Zusammenarbeit.

Die Vorsitzende des Landespflegerates Ursula Hubertus befasste sich mit der Situation der Pflegerinnen und Pfleger sowohl in den Kliniken wie in der stationären und ambulanten Gesundheitsversorgung. Nach Auffassung des Pflegerates sei die Gründung einer saarländischen Pflegekammer unerlässlich. Nur so sei eine kontinuierliche Verbesserung der Pflege sicherzustellen. „Wir können nicht für unseren Beruf werben, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen“, so Hubertus. Sie verwies dabei auf die Initiative des deutschen Gesundheitsministers, mit der UN-Gesundheit-Organisation WHO über einen „Anwerbe-Kodex“ für Pflegekräfte zu verhandeln.

Viele Teilnehmer der Veranstaltung lobten zum Abschluss der Veranstaltung sowohl das Programm als auch die Ausführungen der Experten.

 

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