„Krankenhausform“: Kliniklandschaft im Umbruch

 

Erste Veranstaltung der Gesundheitsregion Saar nach langer Zwangspause am 14. Oktober 2021 im SaarRondo.

 

Endlich: nach mehr als einem Jahr konnte die Gesundheitsregion Saar wieder eine größere Präsenzveranstaltung durchführen. Und diese stellte gleich eines der brennendsten Themen der Gesundheitspolitik in den Mittelpunkt. „Wie soll sich die Krankenhauslandschaft weiterentwickeln, eine gerade im Saarland aktuelle und heftig umstrittene Frage, sagt der Vorsitzende der Gesundheitsregion Saar e.V., Minister a.D. Werner Schreiber, zur Begrüßung.

 

Die Corona-Pandemie erfordere in diesem Zusammenhang eventuell ganz neue Antworten.

Prof. Dr. Martin Albrecht, Geschäftsführer des Berliner IGES-Instituts, war hierzu als Experte eingeladen. Als Mitautor der Bertelsmann-Studie hatte er untersucht, wie eine Krankenhausversorgung der Zukunft aussehen müsse, welche Kapazitäten notwendig seien, wie eine adäquate Finanzierung aussähe und welche Struktur die stationäre Versorgung haben müsse. Dazu wurde in bestimmten Regionen untersucht, wie sich eine Konzentration der Standorte auf die Qualität der Versorgung, aber auch auf die Wirtschaftlichkeit, auswirke. Wenn man Qualität an einer Mindestfallzahl für bestimmte Leistungen messe und auch die Erreichbarkeit der Kliniken berücksichtige, sei eine Reduzierung der Standorte in der untersuchten Region um bis zu 70 Prozent möglich. Allerdings dürfe man dies nicht für die gesamte Bundesrepublik hochrechnen oder auf andere Regionen einfach übertragen, schränkte Albrecht ein.

 

Diesen Thesen stellte der Staatssekretär im saarländischen Gesundheitsministerium Stephan Kolling ein positives Bild der Krankenhausstruktur im Saarland gegenüber. Gerade die Pandemie habe gezeigt, dass die Krankenhäuser im Saarland gut aufgestellt seien, die Kapazitätsgrenzen seien nicht erreicht worden und man habe sogar schwerkranke Patienten aus Frankreich versorgen können. Außerdem habe die Landesregierung gerade die Investitionsmittel für die Kliniken kräftig erhöht, bis 2039 habe man 840 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Allerdings müsse die Krankenhausplanung in Zukunft auch neue Wege gehen. Unter anderem müssten neue Versorgungsformen, die Digitalisierung im Gesundheitswesen und eine überregionale, auch grenzüberschreitende Planung, stärker in Übereinstimmung mit den Trägern berücksichtigt werden.

 

In der anschließenden Diskussionsrunde konnten alle relevanten Entscheidungsträger aus dem Saarland zusätzliche Aspekte für die Weiterentwicklung der Krankenhauslandschaft einbringen. Dr. Magnus Jung, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses im Landtag und stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD, verwies auf die Notwendigkeit, das Entgeltsystem so zu ändern, dass auch Krankenhäuser der Grundversorgung auskömmlich finanziert würden. Die neue Bundesregierung sei hier gefordert. Natürlich gibt es auch unter den Krankenhäusern je nach Größe und Träger unterschiedliche Interessen, gestand der Geschäftsführer der saarländischen Krankenhausgesellschaft, Dr. Thomas Jakobs, zu. Wichtig sei aber, dass die Erreichbarkeit der Krankenhäuser nicht nur in Hinblick auf die Versorgung der Patienten, sondern auch aus Sicht der Angehörigen bei der Planung berücksichtigt werde. Aus Sicht der Krankenkassen betonte die Bevollmächtigte des AOK-Vorstandes, Christiane Firk, dass die Qualität der Versorgung ein entscheidendes Planungskriterium sein müsse. Aber auch die Wirtschaftlichkeit der Versorgung müsse im Auge behalten werden, damit Geld nicht in ineffiziente Strukturen fließe. Zudem müssten die Investitionskosten vom Land ausreichend finanziert werden und der stationäre und ambulante Bereich stärker verzahnt werden. Den Blick auf ein gutes Zusammenspiel zwischen stationärer und ambulanter Versorgung lenkte auch der Präsident der saarländischen Ärztekammer, Sanitätsrat Dr. med. Josef Mischo. Dazu sei vor allem eine störungsfreie Kommunikation und Transparenz zwischen niedergelassenen und Krankenhausärzten notwendig. Auch die Nutzung digitaler Kommunikationswege und die Telemedizin müsse ausgebaut werden. Die Ärztekammer unterstütze dies durch Fortbildungen auf diesem Gebiet. Die Kommunikation zwischen stationärem und ambulantem Sektor werde häufig aber noch durch nicht kompatible Software-Programme behindert, berichtete Dr. med. Thomas Vaterrodt, stellvertretender Vorsitzender der Gesundheitsregion Saar e.V. und Chefarzt in der Saarbrücker SHG-Klinik auf dem Sonnenberg. Dies müsse dringend behoben werden, zumal durch die Pandemie die Chancen von Videokonferenzen und dem digitalen Austausch von Daten aufgezeigt worden seien.

 

Der sehr gute Besuch der Veranstaltung trotz der notwendigen Hygienemaßnahmen zeigt das große Interesse an der Weiterentwicklung der Kliniklandschaft, zumal einige Entscheidungen der Krankenhausträger in jüngster Zeit im Saarland für Erstaunen sorgten. Allerdings sei auch das Bedürfnis nach Diskussionen und Austausch in Präsenzveranstaltungen spürbar gewesen. Die Gesundheitsregion Saar e.V. habe schon einige in Planung, sagte ihr Vorsitzender Werner Schreiber zum Abschluss.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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